HERBST-/ WINTERPROGRAMM 2010-11
Liebe Teilnehmer/Innen und Interessierte des Alleinerziehenden-Treffs,
DER TREFF FÜR ALLEINERZIEHENDE UND INTERESSIERTE GEHT WEITER!
In Zusammenarbeit mit den TeilnehmerInnen wurde das neue Programm bis Ende Januar 2011 mit Beratung, Elternbildung, Begegnung und gemeinsamer Freizeitgestaltung zusammengestellt. Auch im Herbst-/ Winterprogramm stehen Beratung in rechtlichen und erzieherischen Fragen, die Bewältigung der Trennung vom Partner und die Auswirkung auf die Kinder, sowie ein regelmäßiges Treffen von Gleichbetroffenen und Gleichgesinnten zum Erfahrungsaustausch und zur wechselseitigen Stärkung im Rahmen gemeinsamer Freizeitaktivitäten von Eltern und Kindern im Mittelpunkt.
Einige Mütter erklärten sich wieder bereit, Treffen aktiv vorzubereiten und zu begleiten, unterstützt durch die Caritas in Ellwangen, den Förderkreis „Kleine Hände“ e. V., das Kinder- und Jugenddorf Marienpflege, den Verein Frauen helfen Frauen e. V. und die Familienbeauftragte der Stadt Ellwangen.
Wir freuen uns, wenn das Programm auch Ihnen gefällt und wir Sie wieder zahlreich bei unseren Treffen begrüßen dürfen. Bitte denken Sie an die rechtzeitige Anmeldung Ihrer Kinder, unter Angabe von Alter und Geschlecht, wenn Sie während des Treffs eine Kinderbetreuung wünschen. Wir können uns dann um eine für Ihre Kinder gute und ansprechende Betreuung bemühen.
Anmeldungen und Rückfragen an
Caritas in Ellwangen, Anita Beck, Tel.: 07961-56 97 82, beck(at)caritas-ost-wuerttemberg.de.
Die Termine der nächsten Monate sind rechts beschrieben - wer mit vorbereiten möchte, bitte melden!
Ellwanger Alleinerziehendentreff
Die beiden Treffen im März waren so erfolgreich, dass nun ein regelmäßiges Programm für Alleinerziehende und Interessierte aufgestellt wird.
Die Schwäbische Post berichtete darüber.
Lokales Bündnis für Familie Ellwangen
Die meisten Kinder wachsen bei ihren leiblichen Elternteilen auf. Gleichzeitig gibt es aber immer mehr Mütter und Väter, die ihre Kinder alleine erziehen. Das ist heute glücklicherweise kein persönlicher Makel mehr.
Repräsentative Untersuchungen zeigen, dass sich die meisten dieser Familien schnell stabilisieren und ein Großteil der betroffenen KinderTrennung und Scheidung der Eltern gut bewältigt. Trotzdem sind viele Alleinerziehende auf Unterstützung angewiesen - von uns allen. Kinder von alleinerziehenden Eltern sind stärker von Armut betroffen als Kinder mit zwei Elternteilen. Für die alleinerziehende Mutter oder den Vater ist es auch ungleich schwerer, arbeiten zu gehen und dennoch Zeit für die Familie zu haben. Die gesamte Verantwortung lastet auf ihren Schultern. Wichtig ist, dass Alleinerziehende und ihre Familien die Chance haben, auf wirtschaftlich eigenen Füßen zu stehen. Kinder dürfen kein Armutsrisiko sein.
Alleinerziehende geben Tag für Tag ihr Bestes und laufen zu Höchstleistungen auf. Nicht nur bei der Erziehung ihrer Kinder sind sie im 24-Stunden- Dauereinsatz, sondern vollbringen tagtäglich auch wahre Wunder bei Organisation und Zeitmanagement.
Helfen Sie mit, dass Alleinerziehende in Zukunft auf eigenen Beinen stehen und für sich und ihre Kinder sorgen können. Entwickeln Sie zusammen mit dem Lokalen Bündnis für Familie Ellwangen Perspektiven für Alleinerziehende.
Das Lokale Bündnis für Familie ist ein Zusammenschluss verschiedener Personen, und Gruppen aus Ellwangen, die sich das Ziel gesetzt haben, etwas für Familien zu bewirken. In fünf Arbeitsgruppen werden konkrete Maßnahmen und Projekte entwickelt. Weitere Bündnismitglieder sind jederzeit willkommen!
Ansprechpartnerin: Evi Saur, Familien,- Frauen- und Jugendbeauftragte Spitalstr. 4, 73479 Ellwangen Telefon: 07961/84-257 Telefax: 07961/84-310, E-Mail: Evi.Saur(at)Ellwangen.de
Alleinerziehend - eine besondere Lebenslage!
Als Jugendhilfeträger bietet das Kinder- und Jugenddorf eine Vielzahl an Hilfen für Kinder, Jugendliche und Familien an. Immer wieder erleben wir die schwierige Lebenssituation Alleinerziehender hautnah, beispielsweise:
- die soziale Isolation
- das lückenhafte Netz von Kinderbetreuung, die bezahlbar sein und arbeitsmarktentsprechende Kinderbetreuungszeiten anbieten muss
- die wirtschaftliche schwierige Lage bis hin zu Privatinsolvenzen
- Defizite im Bereich sozialer Kompetenzen, aber auch in Fragen der Haushaltsführung, kindgerechten Ernährung, budget-angepasste Einkäufe u.ä.
- im ländlichen Raum erschwerend: Die mangelnde Infrastruktur im ÖPNV und die geforderte Flexibilität an Arbeitsplätzen, die nicht am Wohnort sind
- Unsicherheiten oder fehlende Kompetenz im Umgang mit Behörden, Antragsformularen, Schriftstücken und der entsprechenden Selbstorganisation
- das Risiko ist hoch, nach einem familienbedingten Rückzug aus dem Erwerbsleben langzeitarbeitslos zu bleiben.
Dem gegenüber steht das große Interesse vieler Betroffener, eine Ausbildung zu absolvieren, zu beenden oder in das Berufsleben (wieder) einzusteigen und sich damit auch unabhängig von Unterstützungsleistungen zu machen.
Steffi Holzwarth, Alleinerziehende aus Ellwangen, beschreibt die Lebenssituation Alleinerziehender
Als Selbstbetroffene konnte ich im letzten halben Jahr mit vielen anderen Alleinerziehenden sprechen und es hat sich gezeigt, dass die Erfahrungen und Belastungen überall weitgehend die gleichen sind. Es lässt sich gut mit folgendem Bild beschreiben:
Wenn die Familie zerbricht und man allein erziehend wird, dann ist das erst wie ein emotionaler Totalschaden, und dann bekommt man lauter Kisten aufgeladen und soll auf sich selbst gestellt weiterfahren, während sich das Umfeld zurückzieht.
Diese "Kisten" möchte ich kurz andeuten:
Kiste 1: Man muss verkraften, dass Ehe und Familie unter oft miesen Umständen zerbrochen sind, und das kostet eben eine immense seelische Kraft und viiiel Zeit. Verarbeitungshilfen aus dem Umfeld gibt es meist nicht oder nur wenig.
Kiste 2: In dieser Kiste sind Schuldgefühle, Kummer und Sorge den Kindern gegenüber, weil man ihnen keine familiäre Sicherheit und viel zu wenig eigene Ausgeglichenheit und Zeit geben kann.
Kiste 3: ist voll gepackt mit Defiziten im sozialen Leben: viele müssen aushalten, dass sich Freunde und Bekannte zurückziehen, weil sie nicht zwischen den ehemaligen Partnern stehen wollen, weil es zu anstrengend ist Beistand zu geben oder weil sie sich halt lieber unbeschwert mit anderen Paaren treffen. Neue Freundschaften finden ist schwierig, weil die hohen emotionalen, zeitlichen und Kräftezehrenden Belastungen es verhindern. Und mal ehrlich: wer schließt schon gerne mit einem belasteten, angespannten Menschen, der sowieso kaum Zeit hat Freundschaft .. Nicht wenig Betroffene sind dadurch in eine innere Isolation geraten.
Kiste 4: bedeutet: Kinder alleine erziehen, Familienmanagement alleine bewältigen, Haushalt alleine bewältigen, dabei den Kindern den fehlenden Elternteil ersetzen, seelische Schäden abfangen, oft ein schulisches Abrutschen abfangen und dann soll man auch noch voll arbeiten gehen. Und das ist die:
Kiste 5: Wer da nicht schon abgesichert ist, muss eine Stelle suchen und Alleinerziehende sind bei Chefs nicht sehr beliebt. Viele landen in einem unterbezahlten oder gering bezahlten Job und sollen davon auch noch eine Kinderbetreuung zahlen. Für nicht wenige Frauen heißt es: durch die Ämter hecheln und dringend notwendige Zuschüsse zu bekommen oder auch dem Unterhalt hinterher zu klagen. Der Spagat zwischen Job und zu hause-mit-Allem-allein-sein heißt auch, dass man in einem der beiden Parts immer wieder nicht alles bewältigen kann, was vom Umfeld auch nicht gerade mit Verständnis beantwortet wird und weiteren emotionalen Druck erzeugt. Meistens kommt die familiäre Seite zu kurz, weil man seinen Job nicht verlieren will und das ist nicht gerade zum Wohl de Kinder!
Kiste 6:... ist für die Meisten ein finanzieller Absturz mit erheblichen Einschränkungen. Einige geraten dabei vor oder hinter die Armutsgrenze.
Kiste 7: Kinderbetreuung!. Das ist für viiiele Betroffene ein Riesenproblem: Man muss eine Betreuung finden um arbeiten zu gehen, man muss sie bezahlen und fühlt sich dabei auch noch mies, weil man zu wenig selber für die Kinder da sein kann. Auch braucht man eine Kinderbetreuung, um wenigstens ab und zu mal raus zukommen, damit man wieder ein Sozialleben aufbauen kann.
Und zum Thema Kinderbetreuung möchte ich etwas anmerken: So nötig es momentan ist, dass Plätze geschaffen werden: Die beste Betreuung für ein - und durch die Trennung ja auch noch seelisch geschädigtes Kind - ist und bleibt eine eigene, ausgeglichene Mutter!!
Das sind so die Hauptlasten, zu denen aber noch viele Päckchen dazukommen, z.B. kaum Rente für Frauen, die bisher für die Familie da waren, psychosomatische Beschwerden und chronisches überlastet sein, Unterhalt hinterher klagen, und vieles mehr ...
Zusammenfassend kann man sagen: Alleinerziehend sein heißt für die Betroffenen am Rande des seelischen, körperlichen und oft finanziellen burn-outs zu stehen und kaum Zeit, Kraft oder Möglichkeiten für Ausgleich, Erholung und Sozialleben zu haben. Es heißt für die Kinder: mit einem angespannten, hochbelasteten Elternteil aufzuwachsen, der ihnen nicht gerecht werden k a n n, es heißt oft fremd betreut oder allein gelassen zu sein, es heißt zu wenig Halt zu haben um emotional gesund aufzuwachsen.
Auch Kinder Alleinerziehender sind vielfach belastet! Auf der anderen Seite des Crashes ist meistens ein ehemaliger Partner, der im Normalfall Unfallflucht begeht, lediglich seinen Beruf zu bewältigen hat, ansonsten aber Freizeit für Erholung und Sozialleben hat, meistens schnell wieder eine neue Beziehung eingeht und dabei schaut, dass er möglichst wenig zahlen muss!
Es ist d r i n g e n d notwendig, dass bei Politikern, Institutionen, in der Gesellschaft und bei dem ehemaligen Partner ein Bewusstsein dafür geschaffen wird, dass Alleinerziehende mehrfach überbelastet sind und dass Kinder um gesund aufzuwachsen doch wenigsten ein e n Elternteil brauchen, der wirklich für sie da ist und ihnen Stabilität, innere Sicherheit, Zuwendung, Geborgenheit, Rückhalt, Begleitung und Lebensfreude geben k a n n.
Schließen möchte ich mit zwei Wünschen: Dem dringenden Wunsch an Politiker und Institutionen, dass Sie die hohen Belastungen Alleinerziehender wirklich an sich ranlassen und aus dem heraus - innerhalb ihres jeweiligen Einfluss- und Wirkungskreises das Bestmögliche tun, damit wir Entlastung bekommen.
Mein herzlichster Wunsch an alle Betroffenen ist: Dass Sie in ihrem Umfeld Unterstützung, Verständnis, Wärme und halt bekommen, und dass Sie jeden Tag eine kleine Nische haben in der Sie zu sich selbst und Ihrer innersten Kraft finden und aus dem heraus dann sagen können:
Ja ich schaffe es - obwohl so viel Belastendes ist
Ja ich bin lebensfroh - obwohl soviel Schweres zu bewältigen ist
Ja - ich bin froh, dass ich meine Kinder habe .
Steffi Holzwarth
bei der Plenumsveranstaltung "Perspektiven für Alleinerziehende" des Lokalen Bündnisses für Famile am 19.11.2009








