2016: Erwin Knam verstorben

Wir trauern

Am Mittwoch Nachmittag, 2. März 2016, ist unser geschätzter Direktor i.R. Msgr. Erwin Knam verstorben.

Die letzten beiden Wochen musste er im Krankenhaus verbringen, seine schnell fortschreitende Krebserkrankung hatte ihn sehr entkräftet. Auf seinen ausdrücklichen Wunsch konnte er am Morgen des 1.März 2016  ins Ellwanger Hospiz der St. Anna-Schwestern wechseln: "Ich möchte die letzten Schritte auf meinem langen Weg zum Gipfel gut geistlich begleitet sein. Bitte sag alle Arzttermine ab und gib im Hospiz Bescheid." sagte er mir eine Woche vor seinem Tod. Und: "Ich hatte ein wunderbares Leben und konnte so vieles bewirken." Er sah mit aufrechter Haltung und einer Klarheit, die ihn das ganze Leben auszeichnete, dem nahenden Tod entgegen: "Es ist gut dass ich gläubig sein kann. Das ist ein Geschenk Gottes, ich muss keine Angst haben." 

Erwin Knam wurde am 8. März in Ellwangen verabschiedet und am 9. März in Langenargen beigesetzt. Viele hundert Menschen haben von ihm Abschied genommen.

Seit über 56 Jahren lebte Pfarrer und Direktor Erwin Knam im Kinderdorf - und er lebte für das Kinderdorf. Er baute das Waisenhaus Marienpflege visionär in ein Kinderdorf um und später in ein Zentrum für Kinder- und Jugendhilfe. Er trug 41 Jahre die Verantwortung als Direktor und "Kinderdorfvater", und in den letzten 15 Jahren begleitete er uns als Ruheständler und "Kinderdorfopa" auf vielfältige Weise, vor allem im Freundeskreis und seelsorglich. 

Die Gemeinschaft des Kinder- und Jugenddorfes Marienpflege, viele Wegbegleiter und viele ehemalige Heimkinder trauern um Erwin Knam. Wir sind ihm zu unendlichem Dank verpflichtet und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, die ihn bis zur letzten Stunde liebevoll begleitet hat.

In großer Trauer und im Namen der ganzen Kinderdorfgemeinschaft

Ralf Klein-Jung
Vorstand 

 

 

Der gute Hirte - Sieger Köder

Erwin Knam schrieb 2001 zu diesem Bild:

Seit über 60 Jahren liebe ich den Bregenzerwald und habe dort schon mit Tausenden von Kindern die Ferien verbracht. Deshalb hat mir der Aufsichtsrat des Kinderdorfes zu meinem 75. Geburtstag am 28. Juni 2001 das Bild geschenkt, das Sieger Köder für mich gemalt hat: »Der gute Hirte im Hochgebirge des Bregenzerwaldes«.

Der gute Hirte befreit nicht, wie auf vielen Bildern dargestellt, das blutende Schaf aus den Dornen der Wüste, sondern er findet es unter den Abstürzen der Hochkünzelspitze (2400m). Er nimmt es nicht auf die Schultern, denn da trägt er schon ein kleines Kind, das ihn liebevoll umarmt. Ist es nicht ganz besonders das verlorene Schaf, dem er nachgegangen ist und das ihn nicht mehr loslassen will? Man sieht noch ein Mädchen auf der Gitarre spielen und ein Bub hat zum Bergsteigen schon seinen Rucksack umgehängt. Ganz rechts unten drückt sich ein schwarzes Kind scheu in die Ecke. Auch es möchte nah beim Hirten sein, aber es ist halt ein »schwarzes Schaf« wie das Schäfchen neben ihm. Das ist doch die Sehnsucht aller Kinder: Angenommen, geliebt, geführt sein, nicht verstoßen und ausgelacht. Bei Jesus fühlt es sich angenommen. Als guter Hirte hat er ja selbst gesagt: »Ich lasse euch nicht im Stich. Ich gebe mein Leben für euch. Ich bin gekommen, dass die Menschen das Leben haben und es in Fülle haben«.

Im Hintergrund kann man noch das »Schlössle« sehen, eine uralte Berghütte, in der ich mit den Kindern viele erlebnisreiche Sommertage verbracht, fröhliche Kameradschaft erlebt und die Herrlichkeit der Schöpfung erfahren habe und vielen guten einheimischen Menschen begegnet bin, so dass wir ermutigt mit neuer Lebensfreude wieder ins Tal abgestiegen sind!

Das Bild kündet eindrucksvoll, was schon viele Menschen froh gemacht hat: »Der Herr ist mein Hirte. Auch wenn ich wandern muss in finsterer Schlucht: Du bist bei mir!« Doch auch wir sind Hirten, wenn wir glaubwürdig unser Christsein leben wollen, besonders für Kinder. So soll dieses farbenfrohe Bild vom guten Hirten ein kleiner Dank für Sie sein, denn Sie sind ja für unsere Kinder durch Ihre Solidarität auch zum guten Hirten geworden. Über allem aber steht mein Kreuz auf dem hohen Berg, das ich mit Freunden vor 50 Jahren zu meiner Primiz errichtet habe mit der Inschrift: »Christus gestern heute und in Ewigkeit«

Ansprachen und Nachrufe

Beim Requiem am 8. März 2016 in Ellwangen und am 9. März 2016 in Langenargen wurden zum Dank und zur Würdigung von Msgr. Erwin Knam bewegende Ansprachen gehalten und Nachrufe gesprochen:

  

Ansprache von Prälat Werner Redies am 9.3.2016 in Langenargen zu Joh 15, 9-17.

   

Nachruf von I.K.H. Marie Herzogin von Württemberg als Schirmherrin und Vorsitzende des Stiftungsrates der von Erwin Knam 1992 mit begründeten "Stiftung Präventive Jugendhilfe"

   

Nachruf von Wolfgang Kuhn, stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates der Marienpflege, im November 1980 in den damaligen Verwaltungsrat berufen und seither Mitglied im Aufsichtsrat
  
 

Nachruf von Volker Grab, Bürgermeister Stadt Ellwangen.

   

Nachruf von Dr. Rudolf Grupp für den Bund Neudeutschland Ellwangen und die Gemeinschaft katholischer Frauen im Heliand-Bund

   

Persönliche Erinnerungen

Viele Menschen haben der Familie von Herrn Knam und dem Kinderdorf kondoliert und von ihren persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen berichtet. Auch in unserem Gästebuch sind viele Einträge.

Manche haben uns Texte und Bilder gesandt und zur Veröffentlichung angeboten.

  

Erinnerungen von Richard Pahl, der 1972 ein Praktikum im Kinderdorf absolvierte und eine Bergtour mit einer Kinderdorfgruppe begleitete.