1962: Leben im Kinderdorf

Von 1962 bis 1964 wurden dann als I. Bauabschnitt sieben Häuser gebaut. Der internationale Bauorden, die Kinder, die Schwestern und Mitarbeiter halfen mit Tausenden freiwilliger Arbeitsstunden mit.

1964 weihte Bischof Leiprecht anlässlich der 1200-Jahr-Feier der Stadt Ellwangen das erste Kinderdorf der Diözese in katholischer Trägerschaft ein und erbat für die im Kinderdorf lebenden Familien „Freude, Friede und Liebe aus dem Quell des Dreifaltigen Gottes“.

Jugendbewegtes Leben im Kinderdorf

Rasch haben die Kinder ihr „Häuschen“ erobert und fühlten sich in ihren neuen Wohnungen daheim. Dort, wo sich vor kurzem noch Baufahrzeuge durch tiefen Schmutz wühlten, entstanden Spielplätze, Wiesen und Wege, „denn für Kinder ist das Spielen oft notwendiger als das Essen.“

Das Freibad wurde vergrößert. Die großen Kinder bekamen Fahrräder, um in der freien Zeit ihre schöne Ostalb leichter erobern zu können. In den Sommerferien ging´s auf große Fahrt an den Bodensee oder hinauf auf höchste Gipfel im Bregenzer Wald. Hohe Touren über mehrere Gipfel begannen oft schon vor dem Sonnenaufgang. Heimgekehrt sind die jungen Bergsteiger erst, nachdem die Sonne wieder untergegangen war. Die Kinder wurden nicht verwöhnt, es war ein spartanisches, aber glückliches Leben. Wieder daheim dann die Feste im Kinderdorfhaus, im Dorf, in der Stadt.

Auch das Mithelfen auf dem Bau mit Presslufthammer und Schubkarren zusammen mit den internationalen Baugesellen. Die Mitarbeiter gingen oft auf Fahrt, nach Rom, ins Engadin, bestiegen über dem Vierwaldstättersee den Uri-Rotstock.  Sie fuhren auch nach Lourdes oder nach Rouen in der Normandie. Immer auf dem Weg nach innen und nach außen.

1962 kamen auch Sozialhelferinnen ins Kinderdorf. Es waren junge Frauen, die ein Jahr ihres Lebens für ein Taschengeld mit den Kindern, den Schwestern und anderen Mitarbeitern in der Marienpflege wirkten.

Mit Wehmut verließ Schwester Ingoberga 1965 das Kinderdorf. Sie hat zusammen mit ihren Schwestern alle Mühen freudig und verantwortlich getragen. Mitarbeiter und Kinder waren traurig. Bischof Leiprecht hat bei der Einweihung das Wort Jesu von den vielen Wohnungen erwähnt, die Jesus uns im Himmel bereiten wird, damit auch wir dort sind, wo er ist. Möge sie nun im ewigen „Kinderdorf“ im Frieden Gottes leben.

Erwin Knam am Presslufthammer

Er baute wirklich "sein" Kinderdorf

Die Kinderdorfhäuser

Ein bis heute funktionaler Grundriß